... hervorstechend an dieser künstlerischen Position ist die Dialektik des Ansatzes und die außerordentliche Opulenz der Mittel, eingesetzt, um den zeitgenössischen Umgang mit Bildern grundlegend zu analysieren. Auf eine nahezu perverse Weise scheint der Künstler ein Wissen um die Ausweglosigkeit menschlichen Handelns durch manuelles Reproduzieren von Optimismus verbreitender Massenware zu kompensieren. Dadurch werden Bereiche der Realität, bzw. geschönte Abbildungen derselben, Stück für Stück zu retten versucht und unter einer Lackschicht einbalsamiert. Dieser Vorgehensweise ist das Entstehen einer neuen, zusätzlichen Realität immanent. Durch das Zusammentragen dieser selbstgefertigten "Mosaiksteine" entsteht ein neuer Miniaturkosmos, der mit jedem Tag wächst. Mit der Vergeblichkeit dieses Tuns, dieses Abbilden-Wollens sämtlicher Bilder, die uns umgeben, ist eine neue Ebene der Realitätsfindung erreicht. Die Menschen von Lascaux versuchten, die Gefahr der gleichzeitig zum Überleben notwendigen Wildtiere durch Abbilden derselben zu bannen. In der Zeit der agressiven Werbesprache haben die uns umgebenden Bilder eine ähnlich ambivalente Qualität, die es zu bewältigen gilt ...

Jean Rosenheim, 1997